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selbstverliehenes Prädikat: No Büttenrede! Presseblick 2002
selbstverliehenes Prädikat: No Elfer-Rat!

MAZ / Ruppiner Tageblatt vom 21.01.2002:
MOMENT MAL

Hut ab

JULIANE WAGNER

Das reißt den miesepetrigsten Faschingsmuffel vom Hocker. Was die Karnevalsklubs der Region Jahr für Jahr auf die Beine stellen, ist erstaunlich. Büttenreden und Elferrat gehören fast schon zum alten Eisen. Die Klubs gehen mit der Zeit und wenden sich dem anspruchsvollen Genre Comedy zu. In ihre Programme investieren sie viel Zeit, viel Geld und ganz viel Liebe. Das wohl führendste Beispiel dafür lieferte am Wochenende der Fehrbelliner Karneval Klub. In einer närrischen Einlage mit dem Titel "Das volkstümliche Mutantenstadl" traten auch die Jacob-Sisters auf: Drei blond perrückte Damen im grünen Dirndl-Gewand. Und die berühmten Pudel? Hatten sie auch unterm Arm. Doch woher kamen die plüschigen Imitate? Die Antwort glaubt man kaum: Fehrbelliner Senioren haben sie gehäkelt, geklöppelt, gestopft und bestickt. Ob Karneval in die Mark gehört und ob man sich dem Trubel, wo er einmal da ist, auch entziehen darf - darüber lässt sich sicher trefflich.streiten. Erst recht mit den Narren selbst. An ihrem Engagement aber sollten selbst Muffel nicht zweifeln. Die Klubs legen sich monatelang ins Zeug, damit wir was zu lachen haben. Hut ab!

 
Narren der Region läuten mit grobem Unfug die fünfte Jahreszeit ein
Juliane Wagner
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»... anknüpfend an einen Bericht über den Neuruppiner Carneval Club (webmaster)«
Die gibt es - »...« - auch beim Fehrbelliner Karneval Klub (FKK). Es ist zehn Uhr am selben Abend, als im Saal des Fehrbelliner Hofs die Stimmung ihrem Höhepunkt entgegenstrebt. Der FKK nämlich weiß es ganz genau: Alles nur Theater im TV. Unter den gestrengen Augen von Kaiser Franz und Kaiserin Sissi liegt da "Schneewittchen unter den sieben Zwergen": Weil die Krankenkassen sparen müssen, bekommt die durchgeknallte Stiefmutter keine Therapie. Schneewittchen flüchtet in die Kommune der sieben

ZITATE

Vieles spricht für den Kameval, Hier wollen wir ihn für sich sprechen lassen. Das sind die besten Zitate aus den Auftaktveranstaltungen am Wochenende.

Beim FKK kommt ein Redner zu folgender Weisheit:
"Ein Mann - ein Wort,/ eine Frau - ein Wörterbuch."

Aus der diesjährigen Pressemappe des FKK:
"Wir lassen uns von nichts und niemandem behindem, schon gar nicht von unserem Verstand."

In Anlehnung an den Jürgen-Drews-Schlager "Ein Bett im Kornfeld" tönt es beim FKK:
Ein Korn im Feldbett,/ der ist immer dabei,/ denn in der Kneipe/ ist kein Plätzchen mehr frei./ Die Sänger grillen/ und es duftet nach Hanf,/ wenn wir rauchen."

Zwerge und die faltige Stiefmutter muss sich als Ökotusse tarnen.
Im knallharten Nachrichten-Magazin FKK-Impulsiv jagt eine Null-Nachricht die nächste - "weil in Fehrbellin doch nichts los ist".

Und ob da was los ist: Nach Männerballett und allerlei versautem Liedgut liegen sich die Narren perlweinsehg in den Armen. Welch ein Tag.

Die Mutter aller Rhinsadt-Narren
79 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh: Marianne Sternbeck ist die gute Seele des Fehrbelliner Karneval Klubs
Bescheiden und oft ganz im Stillen sorgt Marianne Sternbeck für Ordnung hinter den Kulissen. Die Mitglieder des Fehrbelliner Karneval Klubs nennen die 79-jährige liebevoll "Mutter Sternbeck". Sie hat den Klub gegründet. Bis heute ist sie dem Karneval treu geblieben und schlägt sich manche Nacht um die Ohren. Fotos: Juliane Wagner
JULIANE WAGNER

FEHRBELLIN: Hinterrn Laken regt sich was. Das Gewebe wölbt sich, bebt und auf dem weißen Leinen zeichnen sich Konturen eines Körpers ab. Was ist das? Was wird gespielt im Billardzimmer des Fehrbelliner Hofes? Ganz einfach: Karneval. Hinter den an einer Wäscheleine baumelnden Laken werden die Stars und Sternchen der diesjährigen Session gemacht. Es ist viertel zehn in dieser milden Winternacht. Durch den Thekenraum wabert blauer Qualm. Er kommt aus dem Saal, in dem seit gut einer Stunde die Narren los sind. Hinter dem weißen Vorhang, der halb- und splitterfasemackte Mitglieder des Karneval Klubs zumindest teilweise vor Blicken schützt, sitzt Marianne Sternbeck und verschnauft. Gerade beginnt im Saal die nächste Nummer - ihre Chance, sich kurz zu erholen. Obwohl die Frau mit dem kurzen schwarzen Haar in acht Wochen 80 wird, ist sie auf Pausen nicht angewiesen. Seit 1954, dem Gründungsjahr, ist "Mutter Stembeck" die gute Seele des FKK. Und noch immer fit wie ein Turnschuh. Bitzschnell ist sie zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird. Am Kragen ihrer schwarzen Weste trägt Marianne Sternbeck eine Sicherheits- und eine Nähnadel mit hellem Faden. Es kommt schon mal vor, dass kurz vorm Auftritt eine Hosennaht platzt", erzählt sie und schmunzelt frech, Dann ist schnelle Hilfe gefragt. Ich flicke sie dann wieder." Sitzt ein Kostüm nicht wie es sitzen soll, zupft Marianne Sternbeck es zurecht. Sie hat den Hut auf in der stets improvisierten Garderode, sie weiß, wo welches Kleid hängt, wer wann welche Requisite braucht, wer wohin raus und auf die Bühne muss.

"Was wären wir ohne unsere Mutter Sternbeck?", fragt Programmdirektor Tom Berger in die Runde. Doch antworten muss keiner mehr. Die Sternbeck ist von Anfang an dabei. Ihr kann keiner mehr etwas vormachen beim FKK. Dabei ist sie zum Karneval gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Ich kannte das alles gar nicht", sagt die rüstige Dame, die am 22. März 1922 im Kreis Königsberg geboren wurde. Erst nach dem Krieg kam Marianne Sternbeck nach Fehrbellin, wo sie ihren Mann kennen lernte. Der wiederum kam aus dem Rheinland und war dort - selbstredend - mit Büttenreden, Elferrat, Tamm und Tschingderassabum aufgewachsen. "Dann haben wir den Klub gegründet" erinnert sie sich und faltet verlegen die Hände.

Über sich selbst zu reden ist ihre Sache nicht. Dabei hat Marianne Sternbeck wirklich viel zu sagen. Das Geheimnis ihres jungen Aussehens jedenfalls verrät sie: "Ich bin immer in Bewegung." Nicht nur vor dem Karneval, wenn ab September wöchentliche Proben auf dem Plan stehen, sondern auch privat. Außerhalb der närrischen Zeit tobt sich Marianne Sternbeck im Garten aus. "Der ist groß", lächelt sie. "Da hab' ich immer was zu tun." Mit der Landwirtschaft groß geworden, ist die 79-Jährige an schwere Feldarbeit gewöhnt. Kürzer treten will sie nicht, sagt sie: "Ich kann doch gar nicht stillsitzen." Und so geht Marianne Sternbeck kegeln, hilft ihrem Sohn in seinem Neuruppiner Blumengeschäft oder am Stand auf dem Wochenmarkt, erledigt Handarbeiten, liest oder sieht fern ("Aber nur abends.") irgendwie, sagt sie, "kriege ich den Tag immer rum."

Am liebsten ist ihr aber doch die fünfte Jahreszeit. Wenn es im Luchstädtchen wieder "Rhinland Alaaf" heißt, läuft Maianne Sternbeck Jahr für Jahr zu Höchstform auf. Bis zwei, "machmal wird es auch halb drei", hält die Pensionärin in einer Nacht wie dieser durch. "Wenn man erst angefangen hat, kommt man nicht mehr davon los", erklärt sie, was sie so fasziniert am Fasching. Eine Leidenschaft, die in der Familie liegt: Kurz nach seinem zehnten Geburtstag war ihr Sohn zum ersten Mal dabei. Auch er kennt heute "nichts Schöneres als Karneval".


NACHGEFRAGT
Lustig sein ist eine bierernste Sache

Tom Berger, Programmdirektor beim FKK, über Sinn und Unsinn des Karnevals - Tom Berger ist Programmdirektor des Fehrbelliner Karneval Klubs (FKK). Wenn er gerade nicht als Milva oder als Vortänzerin im Männerballett auf der Bühne steht, arbeitet der 33-Jährige als Screendesigner und Multimediagestalter in einer Neuruppiner Firma. Mit Tom Berger sprach MAZ-Redakteurin Juliane Wagner über Sinn und Unsinn im Karneval.

Herr Berger, passt denn Kameval überhaupt in die Mark?

Tom Berger: Die Kombination ist in der Tat eigenartig. Die Märker gelten schließlich als sehr ernst. Das Komische ist aber, dass sie ausgelassen sind, sobald sie sich versammeln. Karneval ist für viele die einzige Möglichkeit, mal richtig aus sich raus zu kommen.

Verkleiden sich die Leute oder zeigen sie ihr wahres Gesicht?

Berger: Ich denke, sie spielen wie wir Akteure nur eine Rolle für einen Abend: Das Kostüm erlaubt es ihnen, sich anders zu benehmen als sonst.

 

Lustig genug, um nach fünf Monaten Probe noch über die eigenen Gags zu lachen?

Berger: Nein. Da vorne lustig zu sein, ist eine bieremste Sache. Das ist straff organisiert da darf keiner lachen.

Das Publikum darf aber..

Berger: Klar! Dafür arbeiten wir. Wenn sich die Leute amusieren, ist das unser Lohn.

Was müsste ich mitbringen, um FKK-Mitglied zu werden?

Berger: Sie müssten mindestens 14 sein, Spaß haben, locker sein und nicht alles furchtbar ernst nehmen. Und: Sie müssten mit Liebe dabei sein.

 

Und welche Rolle, spielen Sie am liebsten?

Berger. Den Moderator im Mutantenstadl. Aber auch die Rolle der Milva liegt mir sehr.

Sind Sie ein lustiger Mensch?

Berger (überlegt kurz und lächelt): ich glaube schon, ja.


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