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Kopf ab für Hartz V
Fehrbelliner Karnevalsverein wirft den Blick in eine düstere Zukunft
CHRISTIAN KRANZ
FEHRBELLIN In Fehrbellin wird Karneval ernst genommen: „Wir haben drei Tage an unserem Marienkäfer-Kostüm gearbeitet", sagen Doris und Frank Taubert. Wer nicht verkleidet ist, fällt hier tierisch auf zwischen all den Piraten, Hexen, Mönchen, Vopos, Indianern, Sträflingen, Julius Cäsar, der Nonne und dem Mexikaner. Ein Paar geht sogar als Schweizer Käse verkleidet.
Gut 100 Leute haben am Samstagabend zur Premiere des neuen Programms des Fehrbelliner Karnevals Klubs (FKK) im Fehrbelliner Hof Platz gefunden - am Rande eines mittelalterlichen Jahrmarktes mit einem huldvoll winkenden König (was eine gewisse Komik dadurch erhält, dass der vom Fehrbelliner Ortsbürgermeister Jürgen Sternbeck gespielt wird), königlichem Gefolge, wilden Zigeunerinnen und finsteren Henkersknechten.
Die Prädikate „No Büttenrede, no Elferrat" gelten zwar noch immer, aber irgendwie ist der FKK in seinem 51. Jahr wieder ein wenig karnevalistischer geworden - mehr Cabaret als Kabarett. Ein paar bissige Kabarettnummern sind aber trotzdem im Programm.
Andere Karnevalisten ulken gern unter der Gürtellinie, der FKK hat's lieber politisch: Was könnte nach Hartz IV wohl kommen? Hartz V natürlich.
Und da hat doch die Heilpraktikerin Baba Jaga (gespielt vom Fehrbelliner Original „Mucki") in Schwarzarbeit den Leuten das Rauchen abgewöhnt und damit den Finanzhaushalt und das aufgeblähte Gesundheitssystem gefährdet. Weil die Arbeitslose
dann auch noch den in der Lotterie gewonnenen einzig verfügbaren Arbeitsplatz (Geburtshelferin am Polarkreis) ablehnt, wird sie gemäß den Regeln von Hartz V zum Tode verurteilt. Immerhin: Sie hat Anspruch auf einen unfairen Schauprozess. Staatsanwalt Reiner Irrtum und Verteidiger Ernst Haft sind sich schnell einig: Wer einen zumutbaren Arbeitsplatz ablehnt, hat das Recht zu leben verwirkt: Hin
richtung mit anschließender Sicherheitsverwahrung - in einer Urne. „Und jetzt köpfen!", ruft jemand im Publikum. „Ich will Blut sehen!"
Zu viel soll nicht verraten werden. Das Männerballet kommt diesmal holländisch in Holzschuhen und mit blonden Zöpfen auf die Bühne und die beiden „Goldkehlchen" Anne (20) und Leonore Stebner (14) überwinden ihr Lampenfieber schnell, wenn das Publikum erst einmal mitklatscht. Zwischendurch spielt DJ Thomas zum Tanz. Und fürs Auge präsentiert der Textautor Tom Berger aus Neuruppin diesmal etwas ganz Besonderes: „Die schönsten Beine von Feldberg". Wenn Mucki loslegt, können sich einige Frauen noch was abgucken.
»Für die Samstagsvorstellungen am 29. Januar sowie am S., 12., 19. und 26. Februar gibt es keine Karten mehr. Man kann sich nur noch auf die Warteliste für zurückgegebene Karten setzen lassen. Für Freitag, 4. Februar, sind noch einige Restkarten zu haben unter IR 033932/7 06 55. Das Programm beginnt jeweils um 20 Uhr im Fehrbelliner Hof. Am S. Februar gibt es dort außerdem eine Sondervorstellung für den Seniorenverein.
(Anmerkung des FKK e.V.: Es waren genau 149 Zuschauer. Dem Reporter sei es wegen der rauchvernebelten Sicht verziehen.)
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